AWEAR Prenzlauer Berg

Janina Mengelkamp und Laura Posdziech | 29. November 2008

 

„Jenny, hoast die scho gsehn?“ hört man einen verzückten Familienvater rufen, als er die neonfarbenen Turnschuhe im Schaufenster sieht. „Joa, die schaun cool aus“, pflichtet der Spross dem Vater bei. 

Kastanienallee. „Casting- Allee.“ So wird die Straße, die von Mitte hinauf auf den Prenzlauer Berg führt, gerne genannt. Man sieht hier Touristen, Künstler und Überlebenskünstler. Gut aussehende Menschen. Und selten auch mal ganz normale Leute. Neben einer unüberblickbaren Masse an Cafés und Restaurants gibt es eine Vielzahl kleiner stylisher Läden, die Textiles, Hübsches, Nützliches und Überflüssiges verkaufen. 

Vor dem erst kürzlich eröffneten Store „Awear“ steht eine Familie aus Süddeutschland. Sie betrachten das Schaufenster, setzen jedoch keinen Fuß in das ungewohnte Terrain. Die grinsenden Fratzen der bunten  Kid Robot-Figuren, die einem Kinderzimmer in Tokio entsprungen sein könnten, geben Jenny und ihren Eltern zu verstehen, dass sie für diesen Laden nicht die richtige Zielgruppe sind. 

Michael Müller und Gökhan Guclal sind stolz auf ihren Concept-Store in der Kastanienallee 75. Nur eine Straße weiter, im längst bekannten und beliebten „Le Gang“ fing die Erfolgsgeschichte der beiden an. Dort verkauften sie, zur Freude aller Schuhfreaks, streng limitierte Nike Shoe-Kollektionen. „Bisher bieten wir zwar in beiden Geschäften noch dieselbe Auswahl an, aber das wird sich bald ändern“ erklärt Gökhan, dem es besonders wichtig ist, seinen Kunden nicht das Gefühl zu geben bei einer Kette einzukaufen. Deswegen auch die verschiedenen Namen der Stores. 

Ein Student mit einer Kamera auf der rechten Schulter betritt den Laden: „Die Innenarchitektur von Awear ist einfach der Hammer.“ Für ein Uniprojekt nimmt er Eindrücke des Stores auf. Die Wände, die Regale, der Fußboden, die Umkleidekabinen – alles ist schwarz. „Eigentlich hatten wir geplant die Wände, wie eine Diskokugel, mit kleinen Spiegelvierecken zu verzieren. Das war uns im letzten Moment aber doch zu viel,“ sagt Gökhan, der gerade eine Kundin kassiert und stolz die auserwählten Wandflächen, die mit Mosaikspiegelflächen besäht sind, präsentiert. Hinter ihm steht schwarz auf schwarz „Awear“ geschrieben. Schlicht, puristisch und kühl. Von dem riesigen Gemälde gegenüber begutachten verwöhnte Vorstadtkinder die Kunden. Ihre Kleidung: schlicht, aber gleichzeitig knallig bunt. Passend zum Stil des Ladens. „Wir verkaufen keine HipHop-Klamotten und keinen Techno-Kram. Hier gibt es Streetwaer“ gibt Gökhan zu verstehen und zählt Labels auf, die sie verkaufen: „Zoo York, Stüssy, Insight.“ Zu der Kleidung, die an die 80er Jahre erinnert, liefert „Awear“ auch den dazugehörigen Lifestyle: Bücher über Street Art, Fashion und Musik, Schlüsselanhänger, Cds und Figuren, die in der Szene als Kunstobjekte angesehen werden.

Ein Flug von Berlin nach Tokio dauert 14 Stunden und kostet ungefähr 500 Euro. Der Gang zu „Awear“ ist kostenlos, erfordert nur ein paar kräftige Tritte in die Pedale den Prenzlauer Berg hinauf und vermittelt das Gefühl, sich mitten im hippen Shibuya zu befinden.

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