Die „Heidi KluMania”

Turid Reinicke | 28. Januar 2008

Sie ist Deutschlands erfolgreichster Exportschlager. Ihre mediale Omnipräsenz ist nicht zu ignorieren, kein Weg führt an ihr vorbei. Heidi Klum erobert die Werbebranche auf der Überholspur. Ein Tempolimit scheint hier sinnvoll!

Ihre langen Beine, ihre blonden Haare, ihre braunen Augen - Heidi Klum hat einen Körper, aus dem man Kapital schlagen kann. Das ist auch der 34-Jährigen selbst nicht entgangen. 1992 gewann sie einen Model-Contest von RTL und legte anschließend eine bewundernswerte Karriere hin. Vom Provinzmädchen zum Topmodel! Doch damit nicht genug. Im Laufschritt eroberte sie die Werbebranche. Eine Marke war geboren - die Marke Heidi Klum. Unzählige Dinge hat Heidi uns schon küsschenwerfend und kichernd angepriesen: Fruchtgummis, Unterwäsche, einen Versandkatalog, eine Automarke. Ach ja, und was haben Fastfood, Birkenstocklatschen und der Köllner Karneval gemeinsam? Richtig, ein eher geringes Ansehen und eben Heidi Klum. Ob da wiederum ein Zusammenhang besteht? Wer weiß! Auf ihrer Internetseite werden wir über die bewegenden Fakten in Heidis Leben informiert: „Dank eines Auftraggebers weiß ich jetzt, was meine Beine wert sind: gut 1,6 Millionen Euro!”, hat sie zum September 2004 zu sagen. Im Oktober 2004 dann das Unfassbare, die Sensation, der Skandal: „Mein Briefpapier hat jetzt ein Wasserzeichen.” - Nein?!! Auch das Unterhaltungsfernsehen bleibt von der Daueranwesenheit der wahnsinnig positiven und optimistischen Heidi nicht verschont. Seit Januar 2006 flackert die Show „Germany’s Next Topmodel” über die Deutschen Fernsehbildschirme. Heidi fungiert als Jury-Mitglied und herzzerreißend fürsorgliche Ratgeberin für die Teilnehmerinnen. Dass in dieser Sendung augenscheinlich schlanke Mädchen rausfliegen, weil sie angeblich zu dick seien, sorgte für große Empörung. Die Show und Heidi Klum gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik und die Medien warfen ihr „Ermutigung zur Magersucht” vor. Das kratzte an Heidis wohlbehütetem Saubermann-Image und sie setzte sich zur Wehr: «Wer macht die Regeln? Ich mache sie nicht. Das ist die Modewelt, die diese Regeln macht«. Dass dieses System durch ihre Show weiter gefördert wird, scheint dem Mannequin dabei egal zu sein. Stattdessen nutzt sie die Sendung als Plattform für eine weitere Selbstinszenierung. Jeder Auftritt von Heidi wird mit unzähligen „Schmatzern”, wahnsinnig lustigen Promi-Anekdoten ihrerseits und bestenfalls noch mit ein paar Tränen von Jury-Mitglied Bruce Darnell aufgepeppt und als Highlight der Show proklamiert. Es fehlen noch Trommelwirbel und Spotlight während Heidi Klum „Herself” engelsgleich von der Decke auf die wartende Teenie-Meute herab- schwebt… Man kann gespannt sein, mit welchen dramaturgischen Mitteln die dritte Staffel, die am 28. Februar anläuft, aufwarten wird. Der Siegerin winkt auch dieses mal wieder die Ehre, in Heidi Klums exklusivem Schatten stehen zu dürfen. In Heidis Wahlheimat USA hat sie auch eine eigene Fernseh-Show: „Project Runway”, eine Art „Amerika sucht den Superdesigner”. Der Erfolg ihres charmanten und wortgewandten Moderationstalentes hält sich hier allerdings in Grenzen: Die Oberflächlichkeit ihres Auftretens sei “flacher als der Busen von Kate Moss”, schrieb die “New York Post”. Nachdem Heidi Klum sich nun all- abendlich Katjes zwischen die Zehen stopft, uns als täuschend echtes Häschen zu Douglas lockt und wir bei „Otto” ihre Modekreationen erwerben können, erweitert sie ihre Werbeauftritte seit Neustem um ein entscheidendes Accessoire: Ehemann und Schmusesänger Seal steht nun auch beruflich an ihrer Seite. Gemeinsam werben sie für den Autohersteller VW, Seal tritt immer wieder gerne bei „Germanys Next Topmodel” in Erscheinung und selbstverständlich übt sich Heidi jetzt auch als Sängerin auf seinem neuen Album. Das war abzusehen. Neben sich selbst vermarktet Heidi nun also auch ihre Beziehung. Man darf gespannt sein, wann ihre Kinder das erste mal in einem Werbespot auftreten werden. Das Rezept für einen kommerziellen Erfolg à la Heidi lässt sich in ihrem Ratgeber nachlesen. Unter dem Titel “Heidi Klum’s Body of Knowledge - 8 Rules of Model Behavior” lässt uns Heidi daran teilhaben, wie man sich selbst zur Marke macht und sich in einer Endlosschleife inszeniert. Mit Regeln wie „Du musst es wollen, Ba- by!” und „Du mußt dich in einen Jemand verwandeln, um deine Haltbarkeit zu verlängern.”, nimmt uns das Topmodel an die Hand auf dem steinigen Weg zur Weltspitze. Disziplin, Humor und Erotik lauten die Zauberworte. Doch Heidi neigt zur Überdosis. Ihre nervtötend niedliche Stimme und ihre Flut von Herzchen und Küsschen, die uns unaufhörlich überschwemmt, läuft Gefahr, jeglichen Anflug von Sympathie zu ertränken. Ihr selbst scheint das nicht zu entgehen. „Ich bin das Opfer des Menschen Heidi Klum, ich bin zu einem Produkt geworden, das stets gehegt und umworben werden will.”, sagte sie der „Zeit”. Vielleicht sollte sie darüber nachdenken, in ihrem nächsten Ratgeber eine altbewährte Regel in ihren Kanon aufzunehmen: „Willst du gelten, machdich selten.”

Tags: , , , ,

Hinterlasse eine Antwort