Soylent Green im Friedrichshain
Der Ort hat eigentlich nichts mit seinem Namensvetter und Science-Fiction Film aus dem Jahr 1973 zu tun, in dem Kannibalismus zur Erhaltung der Menschheit thematisiert wird. Doch ist es mitunter die erste Assoziation, die sich mit dem Namen verbindet.
Der Name der „Soylent Bar“ setzt sich - vegetarisch motiviert- aus den Worten Soy für Soja und Lent für Linsen zusammen.
Wer das Wesen der Bar in der Gabriel-Marx-Straße erfahren möchte, muss sich einen besinnlichen Moment der Ruhe gönnen. Im internationalen Friedrichshain ist die Bar Schmelztiegel der Kulturen. Die Besitzerin ist gebürtige Polin. Der Barkeeper, der an einem Donnerstagmorgen um 3:00 Uhr gerne noch eine Runde Poker mit seinen Gästen spielt, kommt aus der Schweiz. Dass er genau so gut Karten spielt wie Cocktails mixt, ist nicht weiter störend – es geht ja nicht um Millionenbeträge. Wer das Soylent besucht, dem geht es auch weniger um zu oft getrunkene Getränke-Symphonien wie einem Orgasmus oder Sex-in-the-Snow; wobei der Name erst mit 15 und dann wieder mit 51 witzig. Hier lässt sich Authentizität spüren. Neben den schicken, neuen und teils sogar teuren „Szene-Bars“ im Friedrichshain breitet sich hier Wärme und Aufgeschlossenheit aus.
Das Sprachgewirr aus Französisch, Spanisch und Deutsch summt einem mit den elektronischen Klängen des Dj´s im Kanon um die Ohren. Nichts und Niemand drängt sich einem auf, wenn man in den in einer verwinkelten Ecke auf einem Sofa aus den 70´ern sitzt. Alle Möbel scheinen aus verschiedenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Das gedämpfte Licht der vergilbten Stehlampen, die sich sonst bei Großmüttern wieder finden, geben der Szenerie die nötige Besinnlichkeit und Intimität.
Das Soylent bietet einen Ausblick auf eine mögliche internationale Gesellschaft - fern von einem Science-Fiction-Roman. Es geht um mehr als Multi-Kulti-Ideologien, nämlich um die Möglichkeit, völlig authentisch, transnational und auf angenehme Weise entspannt sein zu dürfen.