Wie können Blogger nicht narzisstisch sein?

„Für mich ist es eine Sucht. Ein unstillbarer Hunger nach Aufmerksamkeit.“
Bei der berühmten Frage nach der Motivation, die Blogger permanent als erste zu beantworten sich genötigt fühlen, bekommt man ausschließlich Statements wie dieses des BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier auf die Nase gebunden. Es klingt nach einer Entschuldigung. Kein Wunder, da sich unsere Gesellschaft immer öfter als dekadenter Ich-Kult präsentiert. Seit den Anfängen des Bloggens in Form von Internet-Tagebüchern in den frühen 90ern ist es in den letzten fünf Jahren zu einem alles bestimmenden Trend mehr geworden.
Erschreckend, wenn man sich einmal in der Blogwelt umschaut: unzählige Charaktere, die sich vor der gesamten voyeuristischen Welt nackig machen. Schmachtiger Liebeskummer, zweitrangige Unternehmensstrategien und exhibitionistische In&Out-Listen, bei denen jeder, der Mode als Individualismus und nicht als Muss verinnerlicht, mit dem Kopf auf seine Tastatur knallt. Blogger bemalen das Web mit nuancenreichen Farben, leider immer öfter auch in schwarz und weiß. Diese narzisstische Ausweitung ihrer Selbst prägt speziell die Modewelt. Blogs sollten meinungsbildend sein, dem kleinen pickeligen Teenie in Eisenhüttenstadt zeigen was möglich ist, wo es hingehen kann. Doch immer mehr Blogger nehmen sich zu wichtig und kreieren eine progressive, virtuelle Form des alten Gruppenzwangs. Sie erheben sich zu meinungsbestimmenen Szeneforen.
Historiker Christopher Lasch begründet diese narzisstische Persönlichkeitsstörung mit einer „innerlichen, lähmenden Langeweile“.
Ein Trost bleibt: nur dieser befehlshaberische Blogger mit seinem passiven Liebesbedürfnis wird stehen bleiben und verzweifelt auf die Reset-Taste hämmern, seine Um“welt“ jedoch wird sich auch mal wieder drehen statt immer nur zu flimmern!
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